Nachruf für Götz Preuße

Verfasst von Peter Horatschek am . Veröffentlicht in Schachbezirk Ost

Nachruf für Götz Preuße - geboren am 25.09.1941, verstorben am 06.09.2020

Anfang September erreichte uns die Nachricht, dass unser lieber Freund, Turnierveranstalter und Schachliebhaber Götz Preuße gestorben ist.

Götz erlernte das Schachspiel bereits in jungen Jahren von seinem Vater und verfolgte bald gebannt die Kämpfe der Weltspitze. Später erzählte er gern, wie er als Jugendlicher die Partien seiner Vorbilder aus der Schachzeitung zusammen mit
Freunden nachspielte und analysierte.

Nach einigen Jahren in seiner Mühlhäuser Heimat zog er nach Weimar, wo er als Stadtrat arbeitete. Bereits während dieser Zeit hat er sich als Oganisator hervorgetan, als er für kurze Zeit den Vorsitz der Schachabteilung von Motor Weimar
übernahm.

Im Jahr 1978 kam er nach Jena, was mit einer deutlichen Belebung des dortigen Schachgeschehens einherging. Gab es bis dahin nur die Vorturniere zur Bezirksmeisterschaft, organisierte Götz nun, beginnend in den 80er Jahren, eine
Vielzahl von überregionalen Turnieren, teilweise auch mit internationaler Beteiligung. Er übernahm Funktionen sowohl auf regionaler Ebene (1981-1990 KFA-Vorsitzender Schach Jena) als auch im Deutschen Schachverband der DDR (1984-1990 Vorsitzender der Studentenkommission). Sechsmal in Folge (1985-1990) organisierte er auf der Leuchtenburg DDR-Meisterschaften im Nachwuchsbereich, die er auch selber leitete. Im Jahr 1990 veranstaltete er die letzte DDR-Meisterschaft der Männer und Frauen in Bad Blankenburg. Zu seinen Verdiensten zählt die Herstellung freundschaftlicher Kontakte nach Kosice in der Tschechoslowakei, die zu mehreren Teilnahmen Jenaer Schachspieler an dortigen Turnieren führte.

Nach der Wiedervereinigung übernahm er als Gründungsmitglied des Thüringer Schachbundes die Funktionen des Schatzmeisters sowie des Schulschachreferenten. Er hatte die Vorstellung, Schach als Schulfach an allen Thüringer Schulen einzuführen. Neben Schachunterricht an 12 Jenaer Schulen unternahm er einen vom Thüringer Kultusministerium geförderten Projektversuch an Schulen in Stadtilm, Weimar, Mühlhausen, Eisenach und Waltershausen. Er überzeugte den Auer-Schulbuchverlag, ein methodisches Schachheft “Schach-konkret“ für Schüler herauszugeben, das er gemeinsam mit den Jenaer Schachspielern Richard Brömel und Gerhard Richter verfasste. Das heute vergriffene Heft fand später eine Fortsetzung in einem zweiten Teil.

Die von ihm organisierte Thüringer Schulschachmeisterschaft 1996 in der Thüringenhalle zählte ca. 700 Teilnehmer. Bereits 4 Jahre vorher hatte er eine in Bucha (bei Jena) ausgetragene Deutsche Schulschachmeisterschaft nach Thüringen geholt.

1994 gründete er den Förderverein Schach Jena & Holzlandkreis, desen Vorsitz er übernahm. Später wurde daraus der Förderverein Schach Thüringen, auf dessen Initiative mehr als 20 Jahre lang verschiedene Turniere stattfanden, die ihren
festen Platz im zentralen Turnierkalender fanden. Die traditionsreichsten waren wohl die in Jena, Friedrichroda, Gotha und Mühlhausen. Dank seiner Fähigkeit, auch bisher schachfremde Sponsoren zu begeistern, gelang es ihm, einzelne Großveranstaltungen zu organisieren. So fand 1996 die Deutsche Seniorenmeisterschaft mit einer damaligen Rekordbeteiligung von 364 Teilnehmern in Friedrichroda statt. 2004 richtete der Förderverein sowohl die Deutsche Schnellschachmeisterschaft als auch die 75. Deutsche Meisterschaft im sächsichen Höckendorf aus. Somit gelang Gotz das Kunststück, als einziger Turnierveranstalter in der Bundesrepublik sowohl eine DDR-Meisterschaft als auch eine gesamtdeutsche Meisterschaft ausgerichtet zu haben.

Die Übergabe des „großen Götz Preuße Buches“ und die vielen Würdigungen, die ihn anlässlich der Auflösung des Fördervereins Schach am Jahresende 2015 aus der „Familie“ seiner Turnierteilnehmer erreichten, erfüllten ihn mit großer Freude.

Für seine langjährige Arbeit als Organisator und Förderer des Schachsports erhielt er im Jahr 2017 vom Thüringer Ministerprädienten Bodo Ramelow das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht. Götz empfand dies als eine große Anerkennung seines Lebenswerkes.

Selber nahm er nur selten an Turnieren teil. Neben vereinzelten Spielen beim Heimatverein BSV Mühlhausen 04 fand er seine Erfüllung vor allem im Fernschach, das er bis zuletzt mit Begeisterung spielte.

Götz hinterlässt eine spürbare Lücke in der Thüringer Schachlandschaft, die schwer zu füllen sein wird.

Wir werden ihn nicht vergessen und sein Andenken stets in Ehren halten.

Peter Horatschek
(im Namen des ehemaligen Vorstands des FV Schach Thüringen)

Tags: Ehrungen, Jena/Holzlandkreis

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