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Janis Wehner ist Thüringer Schnellschachmeister

Geschrieben von Janis Wehner am . Veröffentlicht in Thüringen

Der Meisterpokal.Einen Tag nach dem Deutschen Halbfinaleinzug fanden sich 54 Schachfreunde in Meiningen zur Thüringer Schnellschacheinzelmeisterschaft im Rahmen des Meininger Schnellschachturniers ein. Etwas weniger als im Vorjahr aber immer noch eine ganz ordentliche Zahl. Leider nahm auch dieses Jahr wieder kein Titelträger am Turnier teil und mit Franz Bräuer fehlte auch der Titelverteidiger, sodass bereits vor Beginn feststand, dass es einen neuen Meister geben würde. Die Setzliste wurde von Robin Jacobi (SV Empor Erfurt), Janis Wehner (SV Medizin Erfurt, Berichterstatter), Uwe Mehlhorn (Ilmenau) und Roberto Rohmeiß (Apolda) angeführt. Ziel war also ganz klar der Titel, mindestens jedoch ein Podestplatz.

Wie in Turnieren mit Schweizer System üblich, brachte die Auslosung der ersten Runde einen unbekannten, vergleichsweise schwachen Gegner den ich dann auch mühelos besiegen konnte. Doch bereits in Runde 2 wartete mit unserem amtierenden Landesspielleiter Bernd Feldmann eine deutlich härtere Aufgabe, insbesondere wenn man die Setzlistenplätze um ihn herum anschaut. Der Lohn für die härtere Aufgabe zu Beginn, wird in den meisten Fällen am Ende durch gute Buchholz ausgezahlt und die könnte ja wichtig werden…
Natürlich alles nur graue Theorie solange man selber nicht gewinnt. Die Eröffnung verlief relativ einseitig

Doch nach 1.d5 Dh6 2.dxc6? (d6 nebst Lf6 gewinnt einfach) bxc6 3.bxc6 Txd1 4. Txd1 Dh5 – den hatte ich übersehen, gab es noch mal einen kleinen „Oups“-Moment. Ging aber alles gut und am Ende standen 2/2, aber auch die Erkenntnis, dass es noch nicht ganz rund läuft.

In Runde 3 ging es dann mit Schwarz gegen einen alten Bekannten aus Suhler Zeiten. André Eichelmann war mir als Spieler bekannt, der eher taktische Stellungen mit dem Kampf um Initiative liebt, dafür aber in trockenen Stellungen/Endspielen seine Schwächen hat. Soviel zum Plan, die Stellung nach ca. 15 Zügen sah dann aber so aus…

Keine Ahnung wie ich es geschafft habe einen so offensichtlichen Zug wie Lf5 nicht zu sehen, aber auch ohne diesen sofortigen Gewinn konnte ich die Schwarzen Steine zum Sieg führen.
Mit 3/3 lief also alles prima, vor allem, da Robin Jacobi und Uwe Mehlhorn zu diesem Zeitpunkt beide schon ein Remis abgeben mussten, wobei man bei beiden eher durften sagen muss, wenn man die Stellungen bei Remisschluss anschaut. Über die 4. Runde gegen Richard Scheftlein würde ich gerne den Mantel des Schweigens hüllen, aber der Chronistenpflicht soll genüge getan werden. Nach ereignisloser Eröffnung dachte ich anfangs des Mittelspiels mit einigen aggressiven Zügen die Initiative übernehmen zu können, wurde dann jedoch sauber ausgekontert. Als ich die Notbremse ziehen wollte, fiel leider eine Figur vom Zug äh Brett. Eine wirklich starke Leistung von Richard.

Die Stimmung zur Mittagspause war damit natürlich im Keller, aber mit 3/3 sollte noch was möglich sein. Gestärkt mit Bratwurst vom Meininger Stadtfest zurück kommend, war Leonid Elkanov mein Gegner in Runde 5.
Bis hier hin:

Sah das nach meiner besten Turnierleistung aus. Vernünftige Eröffnung gespielt, Bauern gewonnen und später die Qualität. Ich dachte schon die Krise sei überwunden, aber wie man, als halbwegs vernünftiger Schachspieler, in dieser Stellung nicht Td6 ziehen kann, sondern f4 nimmt und seinen Turm dabei ins Abseits manövriert, wird mir wohl für immer ein Rätsel bleiben. Gut dass Qualle + Bauer mehr einiges verzeihen…
Immerhin der erste Schritt zur Aufholjagd und da Robin (mit Minusfigur!) ein Remis gegen Richard retten konnte, konnte ich auch den Abstand zur Spitze verkürzen. Vorne jetzt punktgleich mit 4,5/5 Uwe Mehlhorn und Richard Scheftein, die dann auch in Runde 6 gegeneinander spielen durften. Da ich in Runde 6 mit Marcel Vergin, der bis dahin ein unerwartet gutes Turnier gespielt hatte, kurzen Prozess machen konnte und Richard gegen Uwe Mehlhorn (wieder aus der Position der Stärke) remis spielte, war die geteilte Tabellenführung zurückerobert. Neben Uwe, Richard und mir, schaffte es auch Robin noch auf 5/6, sodass 4 Mann punktgleich in die letzte Runde gingen.
Die Tücken des Schweizer Systems schlugen jetzt voll zu. Richard hatte alle 5er schon gehabt, sodass nicht 2 Finalpaarungen zustande kommen konnten. Stattdessen ergaben sich die Paarungen: Jacobi - Mehlhorn, Eichelmann(4,5) - Scheftlein und für mich blieb Erich Riedel übrig, der bis dahin auch sensationelle 4,5/6 holen konnte.
Aufgrund dessen, dass Jacobi und Mehlhorn frühzeitig abgaben, ich erst in Runde 4 verlor und Richard in den ersten 3 Runden durch seine vergleichsweise niedrige Startnummer gehandicapt war, war zwischen uns 4 auch bei der Buchholz noch kein eindeutiger Favorit auszumachen.
 
Da Erich nicht an seine Leistungen anknüpfen konnte und mehrere merkwürdige Entscheidungen traf, war mir ein recht leichter Sieg vergönnt.

Bis hierher hatte ich praktisch noch gar nicht nachgedacht und auch b5 ging mir ausnahmsweise mal recht flott von der Hand. Damit hatte ich dann das fragwürdige Vergnügen meinem Schicksal an den Nachbarbrettern ungestört zuschauen zu können.

Als erstes sah ich wie Richard, der seinen Gegner schon völlig überspielt hatte, hier:


Noch mal Gegenspiel zugelassen hatte und das André in solchen Stellungen nicht ganz ungefährlich ist, sagte ich ja bereits. Nach Sg4 gefolgt von Lxg7 kam Richard richtig ins Schwitzen und musste ein paar Ungenauigkeiten später aufgeben.
Damit war auch klar, dass er keinen Podestplatz erreichen würde Am Ende musste er sich mit dem undankbaren vierten Platz zufrieden geben, obwohl er meiner Meinung nach, über weite Phasen das beste Schach gezeigt hatte. Auch die Kreuztabelle lügt in diesem Fall nicht. Diese zeigt das Richard als einziger alle direkten Duelle der ersten 5 bestreiten musste, während z.B. die 1 „nur“ gegen 3, 4 und 7 spielte oder die 2 gegen 4, 5 und 8. Eventuell sollte, die auch für dieses Jahr im Falle von mind. 64 Teilnehmern angedachte, 8.Runde dann doch mal eingeführt werden. Immerhin konnte sich Richard mit dem Preis bester Spieler U18 trösten.
Robin und Uwe lieferten sich eine richtige Schlacht an Brett 1, die Robin mit wenigen Sekunden Restbedenkzeit sah, wie er versuchte seinen Vorteil noch in ein Matt umzuwandeln. Dies gelang etwas glücklich, aber verdient und somit musste zwischen 1 und 2 die Buchholz entscheiden. Auch hier fehlt eindeutig die 8. Runde in der der Titel sonst am Brett ausgespielt worden wäre. Die Wertung sah mich dann einen halben Buchholzpunkt vorne. Dritter wurde André Eichelmann. Uwe Mehlhorn wurde 5.

Drei Weitere Preise gab es für Erich Riedel, Arnstadt (bester Spieler U14), Vera Latka, Meinigen (beste Dame) und Julius Muthig, Obertshausen dem Partner Verein der Meininger aus Hessen (Heldenpokal). Kurz zur Erklärung: Den Heldenpokal gewinnt derjenige, der bei dem Turnier die größte positive Differenz von Performance zur aktuellen Wertzahl vorzuweisen hat. Eine tolle Idee auch für andere Turniere.

Als letztes bleibt mir noch dem Turnierleiter Peter Lehmann und seinem Team für die tolle Ausrichtung zu danken. Das Turnier verlief reibungslos und zügig und sogar der Zeitplan wurde eingehalten, sodass man rechtzeitig zum Anpfiff des Viertelfinals zu Hause war. Immerhin konnte ich bei der Siegerehrung noch Peter über die Nichterfüllung seiner geäußerten (und zwischenzeitlich mehr als begründeten) Hoffnung, einem Meininger Schachspieler einen der Hauptpreise übergeben können, hinweg trösten, als ich bekannt gab in Meiningen geboren zu sein ;)

Auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr. Hoffentlich mit noch stärkeren Spielern an der Spitze der Setzliste, auch wenn ich mich dann deutlich steigern muss um meinen Titel zu verteidigen Smile